Du weißt, du bist WIRKLICH IMMER NOCH VIEL ZU LANGE in China, wenn…

Zum Abriss bereite Häuser werden zunächst wieder zubetoniert (damit niemand diese weiter illegal nutzt)
…Häuser und Mauern eingerissen werden und dann aus den Resten eine neue Mauer errichtet wird, um die gesamte Baustelle zu sichern.
…Hauseingänge und Geschäfte vor dem Abriss zunächst zugemauert werden.

…die (lokale) Regierung dir vorschreibt, bei welcher Bank du ein Konto haben musst (für deine Gehaltseingänge).

…dein Arbeitgeber dir vorschreibt, bei welcher Bank du NOCH ein Konto haben musst für alle anderen Überweisungen (z.B. Fahrtkosten-/Wohnungs-Zuschuss oder irgendwelche Boni).

…du einer Chinesin, die vor dir an der Supemarkt-Kasse steht, zeigen musst, wie man mit der AliPay-App bezahlt, damit du endlich drankommst.

…deine Chefin ihren Hund im Büro lässt, als wäre es eine Hunde-Hotel, während sie zum Abendessen geht.

…derselbe Hund morgens ohne die Chefin ins Büro spaziert (ok, sie wohnt nicht weit vom Büro entfernt und ihr Mann bringt ihn bis zum Aufzug, der direkt vor der Bürotür ist).

…du an einem Tag beinahe 20 SMS mit tollen Angeboten von diversen Online-Shops geschickt bekommst (am Tag des größten Online-Shopping-Events: 11.11.).

…du aber schon vor langer Zeit die Benachrichtigungen für SMS stumm gestellt hast, weil sowieso per SMS meist nur Spam geschickt wird und es daher erst viel später durch Zufall siehst.

…selbst 6 bis 7-jährige Kinder bereits ein 6 Zoll großes Smartphone besitzen.

…selbst 3-jährige Kinder schon mit einem 6 Zoll großem Smartphone umgehen können und genau wie die Eltern bereits eine Brille benötigen.

…deine Arbeitskollegin eine Wohnung kaufen will, aber dafür erst mal ein Los kaufen muss (500 Wohnungen für 1.000 Kaufinteressenten).

…die neue Wohnung der Arbeitskollegin erst in 1-2 Jahren fertiggestellt sein wird, aber schon anbezahlt werden muss.

Alle vorherigen Episoden dieser Serie in chronologischer Reihenfolge:

Mein Beitrag zur Immobilien-Blase in China

Meine zweite Wohnung in Shanghai
Ich weiß jetzt aus erster Hand, wie die Immobilienblase in China entsteht:

  • Meine Wohnung kostet 5.600 RMB, was schon verdammt viel für 1ZKB auf 40-45qm ist, dafür ist die Lage sehr gut (genau in der Mitte des Jingan-Viertels). Andeere Wohnungen innerhalb meines Compounds kosten teilweise nur 3.500 RMB
  • Mein Vermieter will die Miete auf 5.800 RMB erhöhen, nachdem ich etwas mehr als 6 Monate dort gewohnt habe. Eigentlich wollte er damals schon 5.800 RMB haben.
  • Also stelle ich die Wohnung für 6.000 RMB bei verschiedenen Immobilien-Webseiten ein (fang.com oder 58.com), um etwas Verhandlungsspielraum zu haben.
  • Daraufhin melden Sie ausschließlich Makler bei mir, die die Wohnung dann für 6.200 RMB über ihr Netzwerk anbieten (u.a. WeChat). Dafür erhalten sie dann später (bei Erfolg) ihre 35% Provision von mir – je höher die Miete, desto höher die Provision, logischerweise.

Hier ein Screenshot meiner Anzeige (bei fang.com):
Screenshot meine Wohnungsanzeige in Shanghai


Hier der Screenshot vom WeChat-Account eines Maklers:

Mein Beitrag zur Immobilien-Blase in China

Warum ist das so?
Es scheint, als würden Privatpersonen keine Zeit oder Lust zu haben, sich selbst auf die Suche zu begeben – was natürlich auch der extremen Masse an Angeboten geschuldet ist (in einer Stadt wie Shanghai gibt es jeden Monat vermutlich mehr freie Wohnungen als in ganz Hessen zusammen)…

Ich kann das absolut nachvollziehen und aus eigener Erfahrung bestätigen, dass es deutlich bequemer ist, sich von einem (oder mehreren Maklern) verschiedene Wohnungen zeigen zu lassen, ohne dass man selbst groß suchen oder gar mit den Vermietern telefonieren und Termine organisieren muss.

Meistens kann man sich an einem Tag mehrere Wohnungen in der gleichen Gegend anschauen, da die Makler extrem lokal agieren: Sie sitzen mit ihrem Büro direkt vor den Compounds und kümmern sich fast ausschließlich um die Wohnungen innerhalb des einen Compounds (manchmal auch um mehrere nebeneinander liegende).

Allerdings zahlt man als Suchender dann ebenfalls eine Provision von 30-35%.

Ps.: Ja, meine Bilder sind auch nicht viel besser als die der Chinesen, über die ich schon abgelästert habe.

Straßenmusik und tanzende Chinesen in Beijing (Video)

Straßenmusik und tanzende Chinesen in Peking
Chinese lieben Musik und tanzen auch sehr gerne – allerdings eher selten in Clubs, dafür umso lieber in Parks oder auf den Straßen und Plätzen mitten in den Städten (广场舞 = guǎngchǎng wǔ = „öffentlicher Platz Tanz“).

Wer auch nur einmal abends durch Peking, Shanghai oder eine andere chinesische Stadt spaziert ist, hat sie garantiert gesehen, die (meist) älteren ChinesenInnen, die zur Musik aus einem kleinen Ghettoblaster tanzen.

Lange Tanz-Tradition in China
Schätzungsweise machen das heute noch 100 Mio. Chinesen, dabei scheint das Phänomen noch gar nicht so alt zu sein: Es soll erst in den 1990er entstanden sein, als viele Chinesinnen in Rente gingen (oder gegangen wurden) und daraufhin eine neue Beschäftigung suchten. Trotzdem hat es auch historische Wurzel, da in China auch schon zu früheren Zeiten (um das Jahr 1000 herum) Tanzen als Sport betrieben wurde. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Tanzen dann wieder als Propaganda-Mittel eingesetzt. Heute spielen sicherlich die sportliche und soziale Komponenten die größten Rollen.

Hin und wieder wird die Musik aber auch noch live eingespielt, so wie hier an einem Sonntagabend (ca. 20 Uhr) in der Nähe der U-Bahnstation Chaoyangmen:

Auch typisch ist, dass vor allem Frauen das Tanzbein und die bunten Tücher schwingen.

Teilweise tragen die Tanzenden sogar Uniformen und werden von einer „Trainierin“ angeleitet, während sie im Kreis marschieren tanzen – vermutlich trainieren sie für irgendeine Parade oder ähnliches…

Tanzende Chinesen (Wangjing Soho)

So gesehen neben dem SoHo in Wangjing:

China wäre nicht China, wenn es nicht auch hierzu schon eigene Bestimmungen und Regeln aufgestellt hätte, vor allem um die Geräuschbelästigung von Anwohnern einzudämmen (nicht etwa um die Tänze oder Musik parteikonform zu machen).

Aber davon merkt man ehrlich gesagt nicht viel, die Tänzer sind nach wie vor so ziemlich überall zu finden. Ich erinnere mich an meine Studentenzeit in Shanghai in 2011, als ich jeden Morgen von Chinesischer Musik wurde (mal um 6, mal erst um 7 Uhr)…